Solveigh in Latin-America

Tuesday, March 04, 2008

3.3.08

Viallba, 3.3.08
ALLTAG

...Und schon wieder sind zwei Wochen vergangen ehe ich dazu komme etwas von meinem Alltag hier zu erzählen...

Zumal ich um einiges mehr arbeite als man das normalerweise machen würde (jeweils mehr als 50 Stunden die Woche), ist die Arbeit sehr anstrengend, dabei aber alles andere als eintönig. (Letzteres garantieren vor allem einige unter den Betreuten, die wirklich unberechenbar sind und durchschnittlich 5x wöchentlich regelrechte Katastrophen heraufbeschwören.)

Hier im „Hauptquartier“ leben sieben männliche und drei weibliche Betreute in fünf Zimmern, vier weitere übernachten im Haus eine Straßenecke weiter. Inzwischen kenne ich alle Namen und kann sogar Ángel-José, Àngel-Sereno, José-Ángel und die anderen mit José oder Ángel im Doppelnamen auseinander halten. Alle Macken kennen zu lernen war noch um einiges schwieriger! Zu Beginn schienen mir alle sehr friedlich und nett zu sein. Doch dann ging es los: Im morgendlichen Stuhlkreis beschimpft Ángel-Sereno eine Betreuerin als „Puta“ und ähnlich schlimmen und ein furchtbarere Ächtungsprozess ist die Folge. Es stellt sich heraus, dass Ángel-Sereno schon seit Wochen völlig durchdreht, weil einmal seine Mutter Krebskrank ist und weil zweitens meine Ankunft angekündigt worden war. Er fängt jedes Mal an zu spinnen, wenn er es mit einer neuen weiblichen Person zu tun bekommt. Inzwischen, nach dem ich ihm 1 Woche möglichst nicht zu Nahe kommen durfte, geht es besser.

Es gibt einige Kandidaten, mit denen man jeden Tag den gleichen Kampf durchläuft: Künstlich Zähne einsetzen und zu Tisch kommen. Sich während der Mahlzeiten, der Stuhlkreise und überhaupt allen gemeinsamen Aktivitäten ruhig verhalten. Aufs Klo gehen und sich die Schuhe anziehen.

Andere sind solche, die wie Ángel-Sereno völlig unberechenbar sind und unvorhersehbar explodieren. An meinem zweiten Tag ist z.B. José-Luis völlig ausgetickt und Tulio, einer der Betreuer musste ihn mit aller Kraft bändigen und ihn eine Stunde Lang hinter dem Haus im Polizeigriff halten. Gerade vor ein paar Tagen ist selbiger, ein ziemlich großer und starker Mann, wieder ausgerastet und hat Helena, einer ähnlich schwierigen Person 5 Mal mit aller Kraft auf den Schädel gehauen, weil diese ihn von ihrem Stammplatz runter haben wollte, auf dem er sich provozierenderweise niedergelassen hatte. Ich war die einzige Betreuerin, die dabei war und ich kann euch sagen: Ich hatte keine Lust dazwischen zu springen.

Helena hatte mir bereits früher (heute vor einer Woche) eine ähnlich eindrückliche Lektion erteilt: Weil ich darauf bestehen wollte, dass sie sich vor dem Brötchenbacken, nachdem sie den Hund mit den Fingern Fleischreste gefüttert hatte, die Hände waschen sollte, hat sie einen „Anfall“ bekommen, mich kreischend als deutsche Hure beschimpft und mir kreischend zu verstehen gegeben, dass mich hier keiner haben wolle.

Und weil solche Dinge wie gesagt dauernd passieren, habe ich sehr schnell einsehen müssen, dass man diese Leute in ihrer Mehrzahl wirklich nur mit Samthandschuhen anfassen darf. Der Aufwand, jeden an den Tisch, in die Werkstadt oder überhaupt durch den Tag zu bringen ist unsagbar. Für (fast) jeden einzelnen muss eine extra Show eingelegt werden. Man darf nicht ein falsches Wort sagen, nicht eine falsche Handbewegung machen, bloß keinen Stress schieben oder Druck ausüben, wenn man nicht will, dass einem gleich alles um die Ohren fliegt. Aber das allein reicht nicht: Man muss dabei ständig gut gelaunt sein, jeden herzen und knuddeln, Witze machen und den ganzen Tag tanzend und singend umherschwänzeln, damit sich bloß keiner genötigt fühlt und sich am Ende ganz aus freiem Willen an den gewünschten Zielort begibt.



Mein Arbeitsplan ist wie gesagt voller als erwünscht. Trotzdem bleibt mir dank kurzer Wege und weniger sonstiger Pflichten auch Zeit für anderes, das mich interessiert: Ich war inzwischen schon mehrmals in Madrid: Fünf Stunden Prado (Goya, Velázquez, Sorolla, El Greco und die anderen. Dank Spaniens Austausch mit den Niederlanden war auch einiges Wichtiges von Rubens, Rembrandt, Bosch, Van Dyck und Breughel u.a. dabei. Daneben auch Rafael und Tiziano), fünf Stunden Reina Sofia (die moderne Kunstsammlung, die z.Z. die riesige Picasso-Ausstellung aus Paris hier hat. @Mama: einige Werke waren dabei, die wir auch schon in Stuttgart damals gesehen haben). Auch habe ich schon einiges mit Gonzalo unternommen –der Student, den ich über den Hospitality-Club kontaktiert hatte: Er hat mir die ganze Universitäts-Stadt samt seiner Fakultät gezeigt, wir waren schon im Kino, abends in Madrid und ich will nicht wissen wie viele Kilometer, wir uns bei unseren Stadttouren in Villalba und Madrid erlaufen haben. Außerdem will er mir hier in der Umgebung noch einiges Zeigen.

Was mich ebenfalls sehr interessiert, sind die politischen Entwicklungen hier: Am 9.3. sind Wahlen und überall hängen Wahlplakate von entweder Zapatero („Schuster“ –er war die letzten vier Jahre im Amt) oder Rajoy. Die beiden haben sich außerdem am Montag eine im TV übertragene Debatte geliefert, die für mich sehr interessant war, weil sie mir einen Überblick über den innen- und außenpolitischen Stand der Dinge in Spanien verschafften. Ein großes Problem sind in der Tat die Einwanderer. Madrid und Villalba können sich kaum retten vor ihnen. Überall Latinos und Nordafrikaner. Bisher sympathisiere ich viel mehr mit Zapatero (auch wenn seine Ideen mit den Herkunftsländern der Immigranten zu kooperieren, um diese attraktiver zu machen wahrscheinlich besser klingen, als sie zu realisieren sind), heute Abend werde ich mir aber die zweite Debatte ansehen, wo vielleicht mehr von Rajoys politischen Programmen rüber kommen wird. Wir werden sehen.

Gerade komme ich vom nahe gelegenen Park zurück, in dem ich auch schon einige Male Joggen war. Es hat über 20 Grad und es lässt sich dort wunderbar lesen. Z.Z. bin ich mit Spaniens Literaturgeschichte, einigen von Carmen ausgeliehenen Psychologie-Wälzern und vor allem 100 Anyos de Soledad beschäftigt. Die Welt des letztern Wälzers (Columbiens Dschungel –juhu!) ist weit weg, und es kostet jedes Mal Kraft, den Schritt zwischen der hiesigen -hier im Taller- und der literarischen Welt vom Roman zu machen.

Mit meinen Mitarbeitern habe ich wie damals in Altenschlirf ein riesiges Glück: Ich verstehe mich wunderbar mit Nestor, Eleonora, Tulio, Nilda und Carmen. Dass wir bisher nicht noch mehr miteinander gemacht haben liegt vor allem an unseren Arbeitsplänen. Tulio und Eleonora (sie haben eine kleine Tochter hatten mich z.B. für gestern zum Essen eingeladen, weil sie ausnahmsweise Mal beide gleichzeitig frei hatten und da musste aber ich arbeiten. Nilda werde ich sicher einmal in Madrid besuchen und Carmen hat mich zu einem Ausflug in die umliegenden Berge eingeladen. Mit Nestor verstehe ich mich auch sehr gut, wir gehen regelmäßig zusammen zur Bibliothek, die ein echtes neues Goldstück für Villalba ist und heute Abend schauen wir endlich mal einen Film.

Auch Geld habe ich schon so einiges ausgegeben: Vor allem für Fahrkarten und Abendprogramm. Heute musste ich allerdings endgültig 50(!) Euro für ein neues Kabel für meinen Computer ausgeben. Thaddäus und Andreas werden mich wahrscheinlich auslachen, aber...

Meine „Chefs“ sind inzwischen aus Alicante eingetrudelt. Sie sind beeindruckende Personen und bei allen beliebt (gestern waren wir im Zirkus). Allerdings nimmt mich vor allem Ángel ganz schön ran (er ist der, der die Stundenpläne macht). Diese Woche werde ich gleich 2x nachts arbeiten und das ist scheinbar alles andere als vergnüglich. Auch ist der Kampf um die freie Woche vom 10.-17. zur Erkundung Kastiliens leider noch lange nicht gewonnen :( Dass Maria-José etwas von Bezahlung für meine Arbeit gesagt hat, freut mich zwar (damit könnte ich meine Ausgaben hier vielleicht ausgleichen), erschwert aber den Kampf um die Freizeit. (Es gibt einige historisch bedeutsame Städte gerade nördlich von Madrid, die teilweise wegen der längeren Anfahrt mehr als ein Tagesausflug bedeuten würden und außerdem möchte ich ja Luisa in Barcelona besuchen. Das Wichtigste bleibt für mich aber die besagte Woche vom 10.-17.)

Übrigens war ich am Sonntag war ich außerdem zum ersten Mal mit in der Messe. Das rief natürlich unglaublich viele Erinnerungen an Talag hervor. Ich kann überhaupt nicht glauben, dass das alles schon wieder ein ganzes Jahr her ist. Ziemlich genau sogar. Die lila Passionsfarben lassen mich das erkennen. Damals waren die Gottesdienste auf Spanisch Routine. Immerhin kann ich das Padrenuestro noch. Jetzt vor einem Jahr habe ich mich auf den Besuch von Papa in Ecuador gefreut und jetzt vor einem Jahr wusste ich noch nicht, ob ich Ecuador nach Norden oder nach Osten verlassen würde. An Ostern, dem wunderschönen Taufgottesdienst, war ich zum letzen Mal in Talag im Gottesdienst –mit Papa- und habe zum ersten und einzigen Mal vorne gestanden und das erste Evangelium (??) auf Spanisch (!) gelesen –Himmel, war ich aufgeregt.

Neben Erinnerungen finde ich auch viele Wörter wieder. Wörter, die ich damals beherrschte, über die Monate in Deutschland aber wieder verschütt gegangen sind. Leider ist mein sprachlicher Fortschritt um einiges langsamer als erhofft. Spanisch nach diesen 2Monaten deutlich besser zu können als bisher ist, das werde ich mir wohl oder übel eingestehen müssen, wohl leider Illusion.

Ich glaube, ich belasse es hierbei.
Es geht mir also gut,
Ganz viele liebe Grüße, Eure Solveigh

3.3.08

Viallba, 3.3.08
ALLTAG

...Und schon wieder sind zwei Wochen vergangen ehe ich dazu komme etwas von meinem Alltag hier zu erzählen...

Zumal ich um einiges mehr arbeite als man das normalerweise machen würde (jeweils mehr als 50 Stunden die Woche), ist die Arbeit sehr anstrengend, dabei aber alles andere als eintönig. (Letzteres garantieren vor allem einige unter den Betreuten, die wirklich unberechenbar sind und durchschnittlich 5x wöchentlich regelrechte Katastrophen heraufbeschwören.)

Hier im „Hauptquartier“ leben sieben männliche und drei weibliche Betreute in fünf Zimmern, vier weitere übernachten im Haus eine Straßenecke weiter. Inzwischen kenne ich alle Namen und kann sogar Ángel-José, Àngel-Sereno, José-Ángel und die anderen mit José oder Ángel im Doppelnamen auseinander halten. Alle Macken kennen zu lernen war noch um einiges schwieriger! Zu Beginn schienen mir alle sehr friedlich und nett zu sein. Doch dann ging es los: Im morgendlichen Stuhlkreis beschimpft Ángel-Sereno eine Betreuerin als „Puta“ und ähnlich schlimmen und ein furchtbarere Ächtungsprozess ist die Folge. Es stellt sich heraus, dass Ángel-Sereno schon seit Wochen völlig durchdreht, weil einmal seine Mutter Krebskrank ist und weil zweitens meine Ankunft angekündigt worden war. Er fängt jedes Mal an zu spinnen, wenn er es mit einer neuen weiblichen Person zu tun bekommt. Inzwischen, nach dem ich ihm 1 Woche möglichst nicht zu Nahe kommen durfte, geht es besser.

Es gibt einige Kandidaten, mit denen man jeden Tag den gleichen Kampf durchläuft: Künstlich Zähne einsetzen und zu Tisch kommen. Sich während der Mahlzeiten, der Stuhlkreise und überhaupt allen gemeinsamen Aktivitäten ruhig verhalten. Aufs Klo gehen und sich die Schuhe anziehen.

Andere sind solche, die wie Ángel-Sereno völlig unberechenbar sind und unvorhersehbar explodieren. An meinem zweiten Tag ist z.B. José-Luis völlig ausgetickt und Tulio, einer der Betreuer musste ihn mit aller Kraft bändigen und ihn eine Stunde Lang hinter dem Haus im Polizeigriff halten. Gerade vor ein paar Tagen ist selbiger, ein ziemlich großer und starker Mann, wieder ausgerastet und hat Helena, einer ähnlich schwierigen Person 5 Mal mit aller Kraft auf den Schädel gehauen, weil diese ihn von ihrem Stammplatz runter haben wollte, auf dem er sich provozierenderweise niedergelassen hatte. Ich war die einzige Betreuerin, die dabei war und ich kann euch sagen: Ich hatte keine Lust dazwischen zu springen.

Helena hatte mir bereits früher (heute vor einer Woche) eine ähnlich eindrückliche Lektion erteilt: Weil ich darauf bestehen wollte, dass sie sich vor dem Brötchenbacken, nachdem sie den Hund mit den Fingern Fleischreste gefüttert hatte, die Hände waschen sollte, hat sie einen „Anfall“ bekommen, mich kreischend als deutsche Hure beschimpft und mir kreischend zu verstehen gegeben, dass mich hier keiner haben wolle.

Und weil solche Dinge wie gesagt dauernd passieren, habe ich sehr schnell einsehen müssen, dass man diese Leute in ihrer Mehrzahl wirklich nur mit Samthandschuhen anfassen darf. Der Aufwand, jeden an den Tisch, in die Werkstadt oder überhaupt durch den Tag zu bringen ist unsagbar. Für (fast) jeden einzelnen muss eine extra Show eingelegt werden. Man darf nicht ein falsches Wort sagen, nicht eine falsche Handbewegung machen, bloß keinen Stress schieben oder Druck ausüben, wenn man nicht will, dass einem gleich alles um die Ohren fliegt. Aber das allein reicht nicht: Man muss dabei ständig gut gelaunt sein, jeden herzen und knuddeln, Witze machen und den ganzen Tag tanzend und singend umherschwänzeln, damit sich bloß keiner genötigt fühlt und sich am Ende ganz aus freiem Willen an den gewünschten Zielort begibt.



Mein Arbeitsplan ist wie gesagt voller als erwünscht. Trotzdem bleibt mir dank kurzer Wege und weniger sonstiger Pflichten auch Zeit für anderes, das mich interessiert: Ich war inzwischen schon mehrmals in Madrid: Fünf Stunden Prado (Goya, Velázquez, Sorolla, El Greco und die anderen. Dank Spaniens Austausch mit den Niederlanden war auch einiges Wichtiges von Rubens, Rembrandt, Bosch, Van Dyck und Breughel u.a. dabei. Daneben auch Rafael und Tiziano), fünf Stunden Reina Sofia (die moderne Kunstsammlung, die z.Z. die riesige Picasso-Ausstellung aus Paris hier hat. @Mama: einige Werke waren dabei, die wir auch schon in Stuttgart damals gesehen haben). Auch habe ich schon einiges mit Gonzalo unternommen –der Student, den ich über den Hospitality-Club kontaktiert hatte: Er hat mir die ganze Universitäts-Stadt samt seiner Fakultät gezeigt, wir waren schon im Kino, abends in Madrid und ich will nicht wissen wie viele Kilometer, wir uns bei unseren Stadttouren in Villalba und Madrid erlaufen haben. Außerdem will er mir hier in der Umgebung noch einiges Zeigen.

Was mich ebenfalls sehr interessiert, sind die politischen Entwicklungen hier: Am 9.3. sind Wahlen und überall hängen Wahlplakate von entweder Zapatero („Schuster“ –er war die letzten vier Jahre im Amt) oder Rajoy. Die beiden haben sich außerdem am Montag eine im TV übertragene Debatte geliefert, die für mich sehr interessant war, weil sie mir einen Überblick über den innen- und außenpolitischen Stand der Dinge in Spanien verschafften. Ein großes Problem sind in der Tat die Einwanderer. Madrid und Villalba können sich kaum retten vor ihnen. Überall Latinos und Nordafrikaner. Bisher sympathisiere ich viel mehr mit Zapatero (auch wenn seine Ideen mit den Herkunftsländern der Immigranten zu kooperieren, um diese attraktiver zu machen wahrscheinlich besser klingen, als sie zu realisieren sind), heute Abend werde ich mir aber die zweite Debatte ansehen, wo vielleicht mehr von Rajoys politischen Programmen rüber kommen wird. Wir werden sehen.

Gerade komme ich vom nahe gelegenen Park zurück, in dem ich auch schon einige Male Joggen war. Es hat über 20 Grad und es lässt sich dort wunderbar lesen. Z.Z. bin ich mit Spaniens Literaturgeschichte, einigen von Carmen ausgeliehenen Psychologie-Wälzern und vor allem 100 Anyos de Soledad beschäftigt. Die Welt des letztern Wälzers (Columbiens Dschungel –juhu!) ist weit weg, und es kostet jedes Mal Kraft, den Schritt zwischen der hiesigen -hier im Taller- und der literarischen Welt vom Roman zu machen.

Mit meinen Mitarbeitern habe ich wie damals in Altenschlirf ein riesiges Glück: Ich verstehe mich wunderbar mit Nestor, Eleonora, Tulio, Nilda und Carmen. Dass wir bisher nicht noch mehr miteinander gemacht haben liegt vor allem an unseren Arbeitsplänen. Tulio und Eleonora (sie haben eine kleine Tochter hatten mich z.B. für gestern zum Essen eingeladen, weil sie ausnahmsweise Mal beide gleichzeitig frei hatten und da musste aber ich arbeiten. Nilda werde ich sicher einmal in Madrid besuchen und Carmen hat mich zu einem Ausflug in die umliegenden Berge eingeladen. Mit Nestor verstehe ich mich auch sehr gut, wir gehen regelmäßig zusammen zur Bibliothek, die ein echtes neues Goldstück für Villalba ist und heute Abend schauen wir endlich mal einen Film.

Auch Geld habe ich schon so einiges ausgegeben: Vor allem für Fahrkarten und Abendprogramm. Heute musste ich allerdings endgültig 50(!) Euro für ein neues Kabel für meinen Computer ausgeben. Thaddäus und Andreas werden mich wahrscheinlich auslachen, aber...

Meine „Chefs“ sind inzwischen aus Alicante eingetrudelt. Sie sind beeindruckende Personen und bei allen beliebt (gestern waren wir im Zirkus). Allerdings nimmt mich vor allem Ángel ganz schön ran (er ist der, der die Stundenpläne macht). Diese Woche werde ich gleich 2x nachts arbeiten und das ist scheinbar alles andere als vergnüglich. Auch ist der Kampf um die freie Woche vom 10.-17. zur Erkundung Kastiliens leider noch lange nicht gewonnen :( Dass Maria-José etwas von Bezahlung für meine Arbeit gesagt hat, freut mich zwar (damit könnte ich meine Ausgaben hier vielleicht ausgleichen), erschwert aber den Kampf um die Freizeit. (Es gibt einige historisch bedeutsame Städte gerade nördlich von Madrid, die teilweise wegen der längeren Anfahrt mehr als ein Tagesausflug bedeuten würden und außerdem möchte ich ja Luisa in Barcelona besuchen. Das Wichtigste bleibt für mich aber die besagte Woche vom 10.-17.)

Übrigens war ich am Sonntag war ich außerdem zum ersten Mal mit in der Messe. Das rief natürlich unglaublich viele Erinnerungen an Talag hervor. Ich kann überhaupt nicht glauben, dass das alles schon wieder ein ganzes Jahr her ist. Ziemlich genau sogar. Die lila Passionsfarben lassen mich das erkennen. Damals waren die Gottesdienste auf Spanisch Routine. Immerhin kann ich das Padrenuestro noch. Jetzt vor einem Jahr habe ich mich auf den Besuch von Papa in Ecuador gefreut und jetzt vor einem Jahr wusste ich noch nicht, ob ich Ecuador nach Norden oder nach Osten verlassen würde. An Ostern, dem wunderschönen Taufgottesdienst, war ich zum letzen Mal in Talag im Gottesdienst –mit Papa- und habe zum ersten und einzigen Mal vorne gestanden und das erste Evangelium (??) auf Spanisch (!) gelesen –Himmel, war ich aufgeregt.

Neben Erinnerungen finde ich auch viele Wörter wieder. Wörter, die ich damals beherrschte, über die Monate in Deutschland aber wieder verschütt gegangen sind. Leider ist mein sprachlicher Fortschritt um einiges langsamer als erhofft. Spanisch nach diesen 2Monaten deutlich besser zu können als bisher ist, das werde ich mir wohl oder übel eingestehen müssen, wohl leider Illusion.

Ich glaube, ich belasse es hierbei.
Es geht mir also gut,
Ganz viele liebe Grüße, Eure Solveigh