Solveigh in Latin-America

Thursday, December 28, 2006

Frohe Weihnachten

Hallo ihr Lieben, sry, das sind verspätete Weihnachtsgrüsse, aber erst hatten die da was geändert, sodass ich nicht mehr wusste, wie ich die Posts online kriege und dann war ich ziemlich beschäftigt...
Bin also der Einladung, die ich damals von einer Frau auf dem Weg nach Tena erhielt gefolgt und verbringe meine Weihnachtsferien in Latacunga, 1-2h südlich von Quito. (Hier gibt es viel zu sehen, heute habe ich einen der empfohlensten indigenen Märkte Ecuadors in einer nahen Stadt besucht; morgen möchte ich eine ebenso berühmte Laguna im Krater eines Vulkanes besuchen, am Tag drauf den National Park Cotopaxi und dann ist ja schon wieder feiern angesagt...).
Die ganze Vorweihnachtszeit war komisch. So ziemlich dieselbe Weihnachtsdeko wie bei uns (vielleicht ein bischen kitschiger), mit Plastikbäumen versteht sich (die mir aber nach einer gehörigen gewöhnungsphase fast perfekter vorkommen als unsere), den ganzen Tag dringen Weihnachtslieder durch die Strassen und es werden ständig Messen in den beiden Kirchen, zur Linken und zur Rechten meines kleinen Zimmers direkt am Platz, gehalten. Aber irgendwie kann bei mir beim besten Willen keine Weihnachtsstimmung aufkommen solange den ganzen Tag die Sonne aus dem Zenit auf den Tropenwald knallt....
Die Weihnachtsfeiern der Schulen und Kindergärten, bei denen die Weihnachtsbuben und -Mädchen in kursen roten Hosen und super knappen und schulterfreien Weihnachtsmann-Kleidchen rumrennen, machen es dann auch nicht unbedingt besser...
An Heiligabend, hier in Latacunga, war es dann dank eisiger Kälte hier in der Sierra (ich habe echt ganz Weihnachten lang gefrohren) etwas besser. Habe Weihnachten mit Jolanda und einem gehörigen Teil ihrer ziemlich grossen Familie gefeiert. Naja, jedes Kind erhielt zwischendrin (ohne, dass ich es zB irgendwie hätte mitgekriegt) irgendein Plastikgeschenk, wie es unpädergogischer nicht sein könnte, es dröhnen Raeggeton und Cumbias aus der CD-Spieler (so eine Mischung aus Hip Hop und Pop, die man hier einfach nicht los wird) und irgendwann, wenn das Essen fertig ist, wird ein riesiger Truthan aus Plastiktellern und mit einem Löffel in der Hand und einem Plastikbecher Cola dazu verspeist. (Natürlich fehlt die ewige Suppe vor dem "Segundo" auch an Weihnachten nicht. Aber der Truthan war wirklich wirklich lecker!!!! -dass mit dem Vegetarismus habe ich zwangsweise auf Eis legen müssen).
Die Messe: Wow, so ein Zirkus! Es fängt schon damit an, dass sämtliche Frauen und auch ziemlich viele Männer kleine, hässliche Christkind-Figuren, mehr oder weniger gross -häufiger gross- und mit pompöser Kleidung, die jährlich für unverhältnismässig viel Geld neu gekauft wird, auf dem Arm mit in die Messe tragen, auf dass letztere den priesterlichen Segen erhalten mögen und dann wieder mit nach hause getragen werden... (um ehrlich zu sein, weiss ich gar nicht, ob die Katoliken bei uns das Kind Jesus ebenfalls bis zu diesem Ausmass verehren!?). Ein weiterer Teil der Show ist dann der Keybord-Spieler (der hier aber vielleicht auch zu jeder Messe gehört), der in voller Lautstärke und mit drohnender Stimme die lieblichen Lieder "begleitet" -huii, ich hätte mir am liebsten die Ohren zu gehalten, dabei aber unschuldigst mitgesungen, soweit ich die Texte konnte.
Am krassesten aber empfand ich das Gedränge der Masse (die Kirche war gestopft voll -will heissen, auch im Gang und im hinteren Teil der Kirche war kein Platz mehr!) am Ende des Gottesdienstes, als es darum ging, den schon erwähnten Segen für das Plastik-Kind zu empfangen! Alles drängt und kloppt sich fast, während, der Priester geweihtes(?) Wasser mit Rosen über die Menge versprüht...
Wenn das jetzt zum Grossteil ziemlich abfällig klingt, ist das natürlich nicht so gemeint. Es sind einige der Beobachtungen (wegen derer ich ja hier bin), für die ich eigentlich sehr offen bin und die ich jetzt vielleicht im Verdruss nicht mein gewohntes Weihnachten gehabt zu haben etwas bitter klingen lasse.... So ist es aber natürlich nicht gemeint. Ich habe allen Respekt für das was die Leute hier (anders) machen!

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